Im Krieg kämpft jeder für sich

Félix Vallottons Beziehung zum Ersten Weltkrieg kann sicherlich als speziell charakterisiert werden. Seine Kunst allerdings liefert eine interessante Darstellung der verschiedenen Realitäten des Krieges.

Senegalesische Soldaten im Lager von Mailly, 1917. Öl auf Leinwand, 46 x 55 cm. Musée Départemental de l'Oise, Beauvais.

Senegalesische Soldaten im Lager von Mailly, 1917. Öl auf Leinwand, 46 x 55 cm. Musée Départemental de l’Oise, Beauvais.

In dem Gemälde sieht man eine Gruppe schwarzer Soldaten. Die Gruppe an sich und auch die einzelnen Männer innerhalb der Gruppe wirken isoliert. Die mithilfe des Schnees dargestellte inhaltliche Kälte wird durch die kühle Distanziertheit in Vallottons Malstil verstärkt. Die aus dem Senegal stammenden Soldaten müssen in einem Krieg dienen, der nicht ihrer ist, und für eine Kolonialmacht kämpfen, die Soldaten aus den eigenen Kolonien als Kanonenfutter einsetzt. Das Warten auf den nächsten Einsatz wird so zum Alptraum in einer fremden, feindlichen Umgebung.

Der Holzschnitt zeigt im Gegensatz dazu die ganze Grausamkeit des Kriegseinsatzes. In der für seine Drucke typischen comic-haften Weise zeigt Vallotton zwei zwischen den Fronten im Stacheldraht gefangene Soldaten, die von selbst kaum noch eine Chance auf Überleben haben. Hilfe scheint nicht in Sicht. Das Motiv des Schnees wiederholt sich auch hier, erhält allerdings noch einmal eine Steigerung: Es ist Nacht. Man fragt sich, wie lange die beiden sich dort schon ihrem Schicksal ergeben müssen. Sind sie bereits tot?

Stacheldraht (Les Fils de Fer) aus der Reihe Das ist der Krieg (C'est la Guerre), 1916. Holzschnitt, 17,5 x 22,3 cm. The Museum of Modern Art, New York.

Stacheldraht (Les Fils de Fer) aus der Reihe Das ist der Krieg (C’est la Guerre), 1916. Holzschnitt, 17,5 x 22,3 cm. The Museum of Modern Art, New York.

Mit diesen beiden Bildern gelingt es Vallotton, die unterschiedlichen Realitäten des Krieges einzufangen. Die eisige Leere ist in beiden Werken mit den Händen zu greifen und der kühle, realistische Chrakter seiner Arbeiten schildert eine Wahrheit, die dem Betrachter in ihrer Klarheit und Einfachheit brutal entgegenschlägt: Im Krieg kämpft jeder für sich.

Die Ausstellung Félix Vallotton: Feuer unter Eis im Grand Palais in Paris vom 30. September 2013 bis zum 20. Januar 2014 bietet die einmalige Gelegenheit, diesen außergewöhnlichen Künstler und seine ausdrucksstarken Bilder kennenzulernen.

Passend dazu können Sie das Werk Vallottons in Natalia Brodskaïas Buch Vallotton des Verlags Parkstone-International entdecken.

www.felix-vallotton.com/

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